500 Jahre Reformation – Aufbruch zur Freiheit

Videoinstallationen zur Reformation

Existenzfragen auf 13 Leinwänden

Geburt, Tod, Spiritualität: In Hamburg beschäftigt sich der US-amerikanische Künstler Bill Viola mit elementaren Momenten des Lebens. In seinen 13 großformatigen Videoinstallationen hat er Positionen interreligiöser Menschenbilder verarbeitet. Ein bildgewaltiger Anreiz, um über die menschliche Existenz nachzudenken.

Wer in diesen Tagen die Halle für aktuelle Kunst Hamburg besucht, findet sich in einer bildgewaltigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben wieder. Der weltweit viel beachtete US-Videokünstler Bill Viola hat den größten Ausstellungsraum der Deichtorhallen in eine abgedunkelte Kathedrale verwandelt. Zum Reformationsjubiläum stellt er hier 13 Videoinstallationen aus, in denen er Luther auf Aktualität prüft.

Mensch und Mythos

Mit einer philosophisch-künstlerischen Herangehensweise nähert sich Bill Viola fundamentalen Erfahrungsmomenten des menschlichen Lebens wie Geburt, Tod, Emotion und Spiritualität. Er untersucht religiöse Praxen und Mythologien aus dem Zen-Buddhismus, Sufismus sowie christlichen Mystizismus und überführt sie in expressive Bilder. Damit hebt er die Gemeinsamkeiten der Glaubensrichtungen hervor statt Grenzen zu markieren.

Dieser Grundgedanke schlägt die inhaltliche Brücke zu Luther: Frei von religiösem Dogma bewegen sich Violas Arbeiten nah am Menschen, verstehen dessen Dasein als einen gemeinsamen Nenner von Religionen.

Spirituelle Dimension der Gegenwartskunst

In unendlicher Langsamkeit bewegt sich die Frauensilhouette in Violas Videoarbeit "The Fire Woman" vor einer Flammenwand auf den Betrachter zu. Ein See tut sich vor ihr auf, sie wirft sich hinein, durchbricht in Zeitlupe die spiegelnde Oberfläche und verschwindet. Das Feuer verschmilzt mit der Reflektion der Wasseroberfläche zu einer gleißenden Einheit und ebbt in ruhigen Wellenbewegungen ab. Hochästhetisiert vermittelt die Szene das Sakrale körperlicher Grenzerfahrungen.

Luthers Fragen neu gestellt

Violas konfessionsübergreifendes Interesse an Ritualen und mystischen Traditionen zentrieren sich zu den universellen Themen irdischen Daseins: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Der Künstler findet anspruchsvolle Ausdrucksweisen dieser Fragen, die einen Dialog mit den Betrachtenden eröffnen.

Mit dem Einsatz von Ultra-Slow-Motion schafft er ein sphärisches Ambiente, einen Rückzugsraum aus der Schnelllebigkeit. Die Ästhetik der Entschleunigung ist sein Markenzeichen, sie gibt den Anstoß, in die Essenz der Darstellung einzutauchen und einen Selbstbezug herzustellen.

Die Ausstellung "Bill Viola - Installationen" ist vom 2. Juni bis zum 10. September 2017 in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen. Sie ist gefördert von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Seit 2011 unterstützt die Kulturstaatsministerin Projekte mit besonderem Reformationsbezug mit rund fünf Millionen Euro.

Mittwoch, 21. Juni 2017

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