500 Jahre Reformation – Aufbruch zur Freiheit

Ausstellung im Museum Europäischer Kulturen

Reformation im gewebten Wimmelbild

Lucas Cranach? Weltberühmt! Anna Bump? Kennt niemand. Dabei verdanken wir auch ihr ein einzigartiges Objekt zur Reformationsgeschichte: 1667 webte sie einen Bildteppich. Jetzt ist er in Berlin zu sehen. Seine Motive geben einen Einblick in die zeitgenössische theologische Weltsicht.

Teppich zum 150. Jahrestag der Reformation von Anna Bump, 1667, Dithmarschen / Norddeutschland, Detail, Jesus wird gekreuzigt: Detail aus dem Teppich. Foto: Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin, Ute Franz-Scarciglia

Der Webteppich von Anna Bump ist ein außergewöhnliches Stück: 3,50 Meter lang, knapp 60 Zentimeter hoch zeigt er Szenen aus dem Leben Jesu - Geburt und Taufe, das letzte Abendmahl, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt, das Jüngstes Gericht und das Himmlische Jerusalem. Die textilen Bilder auf der Wirkerei offenbaren auch die zeitgenössische theologische Weltsicht.

Ab Freitag ist das einzigarte Objekt in Berlin zu sehen - im "Museum Europäischer Kulturen" in der Ausstellung "Anna webt Reformation. Ein Teppich und seine Geschichten".

Schau lässt in den Alltag des 17. Jahrhunderts blicken

Die Motive verdeutlichen, welche Auswirkungen die Reformation auf die bäuerliche Gesellschaft im 17. Jahrhundert hatte. Das lässt sich auch an den anderen Stücken ablesen, die das Museum Europäischer Kulturen ergänzend zu dem Bildteppich ausstellt. Darunter sind frühes Kircheninventar der Region, textile Vergleichsstücke und verschiedene Objekte der Alltagskultur. Sie alle spiegeln den historischen Zeitpunkt wider, an dem der Teppich in Dithmarschen entstand.

Neben den Motiven auf dem Teppich und der kulturellen Geschichte zeigt das Museum auch die Herstellung und Restauration des Ausstellungsstückes. Zudem können Kinder ihr handwerkliches Geschick im Workshop "Offene Werkstatt: Weben und Stricken" ausprobieren.

Ein handwerkliches Meisterstück

Der Teppich war, wenn man so will, ein Jubiläumsgeschenk. Die 23-jährige Anna Bump aus Kleve fertigte das Stück 1667 zum 150. Jahrestag der Reformation und schenkte es ihrer Gemeinde. In ihrer handwerklichen Arbeit spiegeln sich flämische und nordniederländische Einflüsse wider. Viele Menschen aus diesen Regionen wurden wegen ihres Glaubens verfolgt und mussten fliehen. Sie fanden in Norddeutschland eine neue Heimat. Ihr handwerkliches Können brachten sie mit.

Weltreise ins Museum

Über Anna Bump ist nur wenig bekannt. Auch über den Weg, den ihr Werk im Laufe der Jahrhunderte nahm, weiß man wenig. Ab 1971 wird es im Berliner "Museum für Deutsche Volkskunde" aufbewahrt, anschließend in dessen Nachfolgeinstitution, dem "Museum Europäischer Kulturen". Davor erlebte der Teppich eine Weltreise: Von Dithmarschen war er in die USA und dann nach Israel gelangt. Das Berliner Museum erhielt das einzigartige Objekt vom Israel–Museum in Jerusalem im Tausch gegen wertvolle jüdische Ritualobjekte aus dem Altbestand.

Die Ausstellung "Anna webt Reformation. Ein Teppich und seine Geschichten" läuft bis Ende Januar 2018. Interessierte können diese von dienstags bis sonntags im Museum Europäischer Kulturen in Berlin besuchen. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt vier Euro.

Mittwoch, 12. Juli 2017

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