500 Jahre Reformation – Aufbruch zur Freiheit

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500 Jahre Reformation - Aufbruch zur Freiheit

500 Jahre Reformation - Aufbruch zur Freiheit

Ausstellung zu Jacob Böhme in Dresden

Die Wiederentdeckung eines großen Denkers

Weltweit prägte der Mystiker Jacob Böhme Literatur, Philosophie, Religion und Kunst. Dennoch ist er in Deutschland weitgehend unbekannt. Die Ausstellung "Alles in Allem – Die Gedankenwelt des mystischen Philosophen Jacob Böhme" bringt ihn nun zurück ins öffentliche Bewusstsein.

Für Karl Marx war er ein "großer Philosoph", Friedrich Schlegel beschrieb ihn als "mannigfaltigen Mystiker". Doch von Kirchen- und Philosophiehistorikern wurde Jacob Böhme ignoriert und geschmäht. Daher ist er in seiner deutschen Heimat heute weitgehend in Vergessenheit geraten.

Als Hommage an Böhme deckt die Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nun die Bedeutung seines Wirkens für die Gegenwart auf. Die Schau in der Schlosskapelle des Dresdner Residenzschlosses vermittelt einen Eindruck von der Gedankenwelt des mystischen Philosophen und beleuchtet auch seinen Einfluss auf die Moderne.

Die Ausstellung "Alles in allem - Die Gedankenwelt des mystischen Philosophen Jacob Böhme" ist bis zum 19. November im begehbaren Gedankengebäude zu besuchen, die die Ideenwelt des Philosophen veranschaulicht. Für die Schau dient die bereits 2013 fertiggestellte Schlosskapelle des Dresdner Residenzschlosses erstmals musealen Zwecke.

Exponate veranschaulichen Böhmes Einfluss

Natur, Freiheit, Finsternis – diese zentralen Begriffe in Böhmes Ideenwelt bilden die Schwerpunkte der Schau. 85 Exponate zeugen von seinem Wirken. Dazu zählen unter anderem 30 Schriften, die die Veröffentlichungsgeschichte seiner Werke nachzeichnen. Hinzu kommen Grafiken und Kunstwerke von Künstlern wie William Blake, Hans Arp und Wassily Kandinsky. Sie alle entstanden Böhme zu Ehren und belegen seinen bis in die Gegenwart anhaltenden Einfluss. Im Untergeschoss der Schlosskapelle gibt es außerdem den Film "Morgenröte im Aufgang – Hommage à Jacob Böhme" von Max Hopp, Jan Korthäuer, Ronald Steckel und Klaus Weingarten zu sehen.

Die Ausstellungsgestaltung entstand nach Böhmes Entwurf der "Philosophischen Kugel". Sie stellt die Kernelemente seiner Philosophie dar und soll das Zusammenwirken von Gegensätzen erläutern. Nach Ausstellungsende in Dresden ist die Schau auch in Amsterdam, Coventry und Breslau zu sehen. In etwa drei Jahren soll sie dann dauerhaft in Görlitz verbleiben.

Vom Schuster zum großen Denker

Ein ambitioniertes Vorhaben: Der Schuster Jacob Böhme versuchte vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges - als die religiösen Auseinandersetzungen ihren Höhepunkt erreichten - die Ideen Martin Luthers zu erneuern. Rund 100 Jahre nach der Reformation wollte er die gegensätzlichen Gedankenrichtungen in Religion und Wissenschaft zu einer universellen Theorie verschmelzen. Mit seiner komplexen, auf Naturbeobachtung fußenden Philosophie stieß der Autodidakt einen innovativen Diskurs an.

Gegen den Willen der Kirche

Böhmes Debütschrift "Aurora" oder auch "Morgenröte im Dunkeln" erzürnte 1612 die Kirche, die ihm in der Folge ein Schreibverbot auferlegte. Trotzdem verfasste Böhme weitere Werke, die unter seinen Anhängern in Form von Abschriften die Runde machten. In einer Zeit, in der das traditionelle Weltbild durch wissenschaftliche Erkenntnisse immer stärker ins Wanken geriet, bewegte sich auch Böhme auf unterschiedlichen Wissensgebieten und formte Querverbindungen zwischen den Disziplinen.

Aufruf zu religiöser Toleranz unvermindert aktuell

Während die Gegenreformation an Fahrt gewann, zeigte sich auch Böhme vom Luthertum enttäuscht. In den Augen des Philosophen war es zum Stillstand gekommen. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche waren seiner Meinung nach als hierarchische Organisationsformen im Christentum überflüssig.

Zu Lebzeiten Böhmes waren seine philosophischen Gedanken sehr progressiv. Aber auch in der Gegenwart sind die Fragen, die der Mystiker aufwarf, weiterhin von großer Relevanz. Dies gilt neben der angeprangerten Verfolgung von Minderheiten besonders für Böhmes Aufruf zu Toleranz zwischen den Religionen.

Freitag, 1. September 2017

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