500 Jahre Reformation – Aufbruch zur Freiheit

l

500 Jahre Reformation - Aufbruch zur Freiheit

500 Jahre Reformation - Aufbruch zur Freiheit

Von der Freiheit eines Christenmenschen

Denkschrift mit Sprengkraft

95 Thesen soll Martin Luther an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben - wer kennt sie nicht, diese Legende? Wie aber steht es um Luthers eigentliche reformatorische Hauptschrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen"? Aufschlussreiches dazu bietet die Sonderausstellung "Reformation und Freiheit" in Potsdam.

Deutsch-prußischer Katechismus aus Königsberg von 1545. Zu sehen im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte: Deutsch-prußischer Katechismus aus dem Jahr 1545. Foto: Torun, Universitätsbibliothek in Thorn, Foto: R. Slenczka

Im Jahr 1520 reagierte Luther mit 30 Thesen auf den gegen ihn gerichteten päpstlichen Bann. Unter dem Titel "Von der Freiheit eines Christenmenschen" fasste er seine reformatorischen Glaubenskonzepte und Forderungen nach religiöser Freiheit zusammen. Luthers Kernbotschaft, nach der ein Christ sich nicht durch kirchlich verordnete, formale Pflichten in seiner Freiheit einschränken lassen dürfe, sondern vielmehr im Hier und Jetzt frei glauben solle, schlug hohe Wellen.

Ausstellung zeigt Luthers Wirken über die 95 Thesen hinaus

So Aufsehen erregend diese Schrift damals war, so wenig Beachtung findet sie heutzutage im Schatten der weltberühmten 95 Thesen. Die Ausstellung "Reformation und Freiheit" im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte rückt dieses Werk Luthers nun in den Fokus.

Die Ausstellung "Reformation und Freiheit" ist bis zum 21. Januar 2018 zu sehen. Sie ist ein Projekt im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2017 "Wort und Wirkung. Luther und die Reformation in Brandenburg". Bundesweit fördert Kulturstaatsministerin Grütters Projekte wie diese mit insgesamt 1,7 Millionen Euro bis einschließlich 2017.

Sie setzt sich mit den politischen, gesellschaftlichen und religiösen Auswirkungen von Luthers Hauptschrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" in den ehemaligen Territorien Preußens und Brandenburgs auseinander. Dabei zeichnet sie den Siegeszug der Reformation in den Territorien des Herzogtums Preußens und des Kurfürstentums Brandenburg nach bis hin zu deren Vereinigung als Personalunion 1618.

Die Besucherinnen und Besucher erfahren zum Beispiel wie in der Folge das Herzogtum Preußen zum ersten evangelischen Staat Europas wurde. Als Teil des polnisch-litauischen Großreichs war es Lebensraum unterschiedlicher Völker und Religionen. Wie die Reformation dort zur Herausbildung der Schriftsprachen Litauisch und Prußisch sowie zur Weiterentwicklung der polnischen Sprache beigetragen hat, ist ein weiterer Aspekt der Schau.

Deutsch-polnische Kooperation ermöglicht Ausstellungsvielfalt

Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte hat diese Schau in enger Zusammenarbeit mit polnischen Institutionen erstellt. Exponate aus deutschen wie polnischen Sammlungen, Archiven und Museen bieten einen differenzierten Überblick über den Einfluss der Reformation auf die individuelle Freiheit sowie die religiöse und politische Praxis. Ein interaktives Modul der Ausstellung stellt Besucherinnen und Besuchern die Frage nach den Spuren reformatorischen Gedankenguts in heutiger Zeit.

Mittwoch, 13. September 2017