500 Jahre Reformation – Aufbruch zur Freiheit

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500 Jahre Reformation - Aufbruch zur Freiheit

500 Jahre Reformation - Aufbruch zur Freiheit

Ausstellung zum Ablasshandel

Luthers Werk und Tetzels Beitrag

"Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt" – dieser Spruch wird dem bekannten Prediger Johann Tetzel zugeschrieben. In Jüterbog erzählt die Schau "Tetzel – Ablass – Fegefeuer" von dessen Wirken und der Historie des Ablasshandels.

Tetzelkasten, Reformationsausstellung Jüterbog Der "Tetzelkasten": Der Ablasshandel war eine große Einnahmequelle. Foto: Stadt Jüterbog

Luther ist der Held der Reformation, Tetzel der Bösewicht. Diese Darstellung von zwei Schlüsselfiguren der Reformation ist natürlich stark vereinfacht. Im Jubiläumsjahr beleuchten unzählige Porträts Person und Persönlichkeit Martin Luthers. Über die historische Person Johann Tetzel wird dagegen wenig vermittelt. Mit der Schau "Tetzel - Ablass - Fegefeuer" stellt die Stadt Jüterbog dem Gewirr aus Mythen und Legenden, das sich um den Dominikanermönch Johann Tetzel rankt, ein differenziertes Bild entgegen.

Jüterbog - die Stadt des Ablasshandels

Die brandenburgische Stadt Jüterbog spielte eine bedeutende Rolle im Reformationszeitalter: Zwar war Luther selbst nie in der Stadt, Johann Tetzel aber verkaufte dort Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgreich Ablassbriefe zum Nachlass von Sündenstrafen. Das war Luther ein Dorn im Auge, der seinen Zorn in seinen 95 Thesen explizit gegen die Ablasspraxis richtete.

Die historische Forschung der vergangenen Jahrzehnte hatte die komplexen anthropologischen, kulturellen und theologischen Hintergründe des Ablasswesens sowie die Rolle Tetzels zum Gegenstand. "Tetzel - Ablass - Fegefeuer" rückt diese Perspektive in den Fokus.

Bösewicht der Reformation

Im Auftrag des Deutschen Ordens verkaufte Tetzel Ablassbriefe zur Finanzierung der Aufrüstung gegen heranrückende russische Großfürsten. Er trat in den Dienst des Kardinals von Mainz Albrecht von Brandenburg, der in seinem Territorium - zu dem Jüterbog gehörte - ebenfalls Ablasshandel betrieb.

Diese Praxis löste Luthers Protest aus. Tetzel reagierte mit theologischer Gegenkritik und lag im Streit mit Luther. Nach seinem Tod geriet Tetzel in Vergessenheit. Erst Jahrzehnte später entstand der Mythos des Bösewichts der Reformation.

Figur und Person Tetzels

Die Ausstellung findet an zwei Orten statt: Im Kulturquartier Mönchenkloster informieren multimediale Installationen über Gründe und Umstände des vorreformatorischen Ablasses. Originale Exponate veranschaulichen das Leben und Wirken Johann Tetzels im historischen Kontext. In der Sankt Nikolaikirche werden die Formen des Ablasswesens vermittelt. Bild-, Ton- und Textinstallationen klären über die Funktionen von Sakramentshaus, Hauptaltar und den erhaltenen Retabelteilen auf.

Im sogenannten "Tetzelkasten" soll der Dominikanermönch den Ertrag des Sündenfreikaufs gesammelt haben. Ausstellungsstücke wie diese stehen symbolhaft für die Rolle Tetzels in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Schau in Jüterbog bereitet das historische Material auf und betrachtet vor diesem Hintergrund die Figur und reale Person Johann Tetzels.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 26. November. Sie ist die einzige Schau anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums, die das Ablasswesen thematisiert.

Freitag, 22. September 2017

Zusatzinformationen

Webseite zur Ausstellung