500 Jahre Reformation – Aufbruch zur Freiheit

Reformationsstätten

Augsburger Kameliterkloster

In Augsburg musste Luther im Oktober 1518 seine Ansichten gegenüber dem päpstlichen Gesandten Cajetan verteidigen. In dieser Zeit wohnte er im damaligen Karmeliterkloster unmittelbar neben der Sankt-Anna-Kirche.

Das heute evangelische Gotteshaus wurde im 14. bis 18. Jahrhundert errichtet. Es beherbergt die Grablege der Familie Fugger. Nebenan erinnert die sogenannte Lutherstiege an den Aufenthalt des Reformators. In einem kleinen  Museum können sich Besucher die aufregenden Tage des Streitgesprächs vergegenwärtigen.

Der römische Kardinal war geschickt worden, um das theologische Streitgespräch zu führen. Luther verstand es, den Papstvertrauten in die Enge zu treiben. Theologisch ging es bei dem Streit um den Disput über den Kirchenschatz, die Voraussetzung für die Gewährung für Ablässe. Die Ablasspraxis, mit der die Kirche den Bau des Petersdoms finanzierte, hatte Luther ja ein Jahr zuvor scharf angeprangert.  

Luther und Cajetan diskutierten über die Bedeutung der Bibel und des päpstlichen Lehramtes. Dahinter verbarg sich eine Kernfrage des reformatorischen Anliegens: Steht der Papst über Schrift und Konzil? Nein, beharrte Luther und formulierte das Prinzip "sola scriptura" (Allein die Schrift) vor. Damit waren bereits fast alle Streitfragen benannt, die in den Folgejahren zur Spaltung der westlichen Christenheit führen sollten. Manche Forscher sehen deshalb den eigentlichen Beginn der Reformation nicht mit den 95 Thesen vom Oktober 1517, sondern mit dem Augsburger Streitgespräch ein Jahr darauf.

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